2,5 Millionen Euro für innovative ÖPNV-Projekte

Pressemitteilung aus dem Verkehrsministerium vom 27. September 2021.

Verkehrsminister Hermann: „Der moderne Nahverkehr ist digi-
tal, barrierefrei und kundenfreundlich!“


Neue digitale Anwendungen und Technologien für den Nahverkehr werden besser
gefördert. Verkehrsminister Winfried Hermann hat dafür elf digitale Projekte von
Landkreisen, Verkehrsverbünden und Unternehmen vorgestellt. Das Verkehrsmi-
nisterium wird die Projekte im Rahmen der „Innovationsoffensive Öffentliche Mobili-
tät“ mit insgesamt rund 2,5 Millionen Euro fördern.

„Der moderne Nahverkehr ist digital, barrierefrei und kundenfreundlich! Wer Bus o-
der Bahn fährt, bucht heutzutage immer häufiger per App oder möchte kontaktlos
zahlen“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann bei der Vorstellung der elf Pro-
jekte. „Unsere Verkehrsverbünde, Landkreise und Unternehmen haben viele inno-
vative Ideen, wie mit Apps und anderen digitalen Technologien der Nahverkehr at-
traktiver wird. Mit der Förderung des Landes können die Projekte jetzt Realität wer-
den!“

Neue Mobilitäts-App für den Landkreis Ortenau

Mehr als eine klassische Nahverkehrs-App für Bus und Bahn möchte der Landkreis
Ortenau für seine Region entwickeln. In einer neuen Mobilitäts-App sollen neben
Bus und Bahn auch alternative Sharing-Angebote für Rad und Auto gebucht wer-
den können. Das Land fördert die Entwicklung der App mit insgesamt 375.000
Euro.

Mit der App soll für die Fahrgäste der Wechsel zwischen den verschiedenen Mobili-
tätsangeboten deutlich einfacher werden. Statt mehreren Apps soll es eine App für
alles geben. Zuerst ist geplant den Fahrradverleihdienst Nextbike und den Carsha-
ring-Anbieter Stadtmobil Südbaden in die App zu integrieren.

Frank Scherer, Landrat des Ortenaukreises, sagte dazu: „Ich bin dem Ministerium
für Verkehr für die Förderzusage sehr dankbar, jetzt können wir die Mobilitäts-App
zügig weiter voranbringen. Mobilität ist ein Grundbedürfnis der Bevölkerung und
gerade in unserem ländlichen Raum von besonderer Bedeutung. Nach der weitrei-
chenden Tarifreform im Ortenaukreis zum 1. August 2021 ist die Einführung der
Mobilitäts-App nun der nächste große Schritt auf dem Weg zu einem deutlich at-
traktiveren und nutzerfreundlicheren ÖPNV. Mit der App schaffen wir ein einheitli-
ches, barrierefreies und übersichtliches Angebot, um den Bürgerinnen und Bürgern
den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr
zu erleichtern.“

Der Landkreis orientiert sich mit seiner App an der bereits existierenden
regiomove-App des Karlsruher Verkehrsverbundes. Mit der Einführung der App soll
auch ein neues Preis- und Gutscheinsystem entwickelt werden. Damit sollen neue
Nutzerinnen und Nutzer gewonnen werden, die bisher mit dem Umstieg auf den kli-
mafreundlicheren Nahverkehr und Sharing Angebote zögerten.

Um die App auch fit für das ganze Land zu machen, wird sie mit anderen digitalen
Plattformen und Angeboten verknüpft. So soll es zukünftig auch möglich sein die
Dienste der regiomove-App des Karlsruher Verkehrsverbundes zu nutzen. Hierfür
wird an einer Schnittstelle zwischen beiden Apps gearbeitet. Auch wird die App an
das Datenökosystem des Landes MobiData BW angeschlossen.

Regiomove-App der KVV wird ausgebaut

Ebenfalls mit 375.000 Euro fördert das Verkehrsministerium die Weiterentwicklung
der regiomove-App des Karlsruher Verkehrsverbundes. Die App ermöglicht be-
reits die Buchung verschiedener Mobilitätsangebote. In Zukunft soll das Angebot
noch ausgeweitet werden. Auch der On Demand Service KVV.MyShuttle soll dazu
in die App integriert werden. Bei MyShuttle können Fahrgäste nach Bedarf via App
Kleinbusse bestellen.

Olaf Strotkötter, Mitglied der Geschäftsleitung des Karlsruher Verkehrsverbunds
(KVV), betonte: „Wir freuen uns sehr, dass wir dank der Unterstützung des Landes
die digitale Vernetzung verschiedener Mobilitätsservices in unserer App weiter vo-
ranbringen können. Dadurch wird regiomove weiter Schritt für Schritt zu einer voll-
umfänglichen multimodalen Mobilitäts-App ausgebaut. Unser attraktives digitales
Angebot beinhaltet damit den ÖPNV ebenso wie Leihfahrräder, Carsharing, On-
Demand-Verkehre und andere wichtige Mobilitätsinformationen – ganz nach dem
Motto ́regiomove - alles außer beamen ́.“

Echtzeitauskunft für Fahrrad und Rollstuhl im Landkreis Tübingen

Der Platz für Rollstuhl und Fahrräder ist in Bussen begrenzt. Das Unternehmen
Omnibus Groß aus Rottenburg am Neckar möchte mit einer digitalen App die
Fahrgäste vor Fahrtantritt darüber besser informieren. Beim Projekt FREIFAHRT
soll die Auslastung von Bussen in Echtzeit berechnet werden. Der Fahrgast soll
dann auf einer Plattform im Netz prüfen können, ob noch ein Platz für das Fahrrad
oder den Rollstuhl vorhanden ist.

Claudia Groß, Geschäftsführerin von Omnibus Groß, sagte dazu: "FREIFAHRT ist
ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Fahrgastmonitoring des öffentlichen
Personenverkehrs mit Analyse- und Informationssystem für B2B und B2C-Audits.
Die Plattform bietet – ganz im Sinne einer digitalen Barrierefreiheit im Nahverkehr
– den Austausch in Echtzeit mit nutzerfreundlichen Anwendungen und Auskünften
zur Fahrplanlage, Auslastungsgrad und Vernetzung von Mobilitätssystemen
ebenso wie zur Optimierung von Planungsprozessen und zur Vereinfachung be-
triebsinterner Abläufe."

Getestet werden soll das Projekt FREIFAHRT im Landkreis Tübingen auf den bei-
den ÖPNV-Buslinie 18 (Poltringen – Tübingen) und 7632 (Rottenburg – Altingen).
Insgesamt fördert das Verkehrsministerium das Projekt mit rund 370.000 Euro.

Digitaler Fahrkartenverkauf auch in Bussen im VVS-Gebiet

Elektronische Tickets können bisher in der Region Stuttgart nicht direkt beim Bus-
fahrer oder der Busfahrerin gekauft werden. Das mit 375.000 Euro geförderte Pro-
jekt „Dave B“ soll das ändern. Dafür müssen die Bordcomputer der Busse umge-
rüstet werden.

„Das Projekt wird den zukunftsweisenden digitalen Verkauf weiter voranbringen,
deshalb freuen wir uns über die Förderung sehr. Für die Fahrgäste vor allem in der
Region hat das neue System den Vorteil, dass sie nicht mehr zu einer Verkaufs-
stelle oder einem Automaten müssen, um ein Ticket auf die polygo-Karte zu la-
den“, sagte VVS-Geschäftsführer Host Stammler. „Es gibt immer noch viele Fahr-
gäste, die mit einem Verbundpass unterwegs sind. Dave B schafft für sie nun den
Anreiz, auf die polygo-Karte umzusteigen.

Mit der Übertragungstechnik NFC wird es dann möglich sein die elektronischen Ti-
ckets direkt auf die polygo-Karten der Fahrgäste zu laden. Auch werden mit „Dave
B“ verschiede Prozesse zum Austausch von Daten automatisiert.

Weitere geförderte Projekte

Der Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund hat für die Entwicklung der
Claudi.App einen Förderantrag eingereicht. Dabei handelt es sich um einen indivi-
dualisierbaren Audio-Stream im Freizeitverkehr. Die Förderung des Landes beläuft
sich auf rund 92.400 Euro.

Durch den Antrag des Landkreis Heidenheim soll im Heidenheimer Tarifverbund
das kontaktlose Bezahlen in Bussen ermöglicht werden. Die Förderung des Lan-
des beläuft sich auf rund 170.000 Euro.

Die KreisVerkehr Schwäbisch Hall hat einen Förderantrag zur Erprobung eines
Check-In-/Be-Out-Systems für Smartphones zur Anwendung in Bus und Rufbus
gestellt. Die Förderung des Landes beläuft sich auf rund 300.000 Euro.

Für das bereits bestehende AnrufbusSystem des Landkreis Rottweil soll durch
die Förderung des Landes eine App zur Buchung des Anrufbusses entwickelt wer-
den. Die Förderung des Landes beläuft sich auf rund 70.000 Euro.

Die SWU App der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm soll um die Funktion einer Auslas-
tungsprognose für Fahrgäste erweitert werden. Dies soll durch die Förderung des
Landes von rund. 10.000 Euro ermöglicht werden.

Die Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart hat für sein Projekt „BadiR“ (Barriere-
freiheit digital und während der Reise im ÖPNV) einen Förderantrag gestellt. Die Webseite und die App sollen barrierefrei gestaltet werden und durch die Informa-
tion zur Barrierefreien Reisekette ergänzt werden. Die Förderung des Landes be-
läuft sich auf rund 165.000 Euro.

Mit dem Förderprojekt „WiBeLe“ möchte der Verkehrs- und Tarifverbund Stutt-
gart Fahrgastzähldaten in die Auskunft integrieren. Außerdem soll deren Wirksam-
keit auf die Fahrgastlenkung überprüfet werden. Die Förderung des Landes be-
läuft sich auf rund 150.000 Euro.

Hintergrund: Förderprogramm Innovationsoffensive Öffentliche Mobilität
Die Förderung von Digitalen Innovationen im ÖPNV ist Bestandteil des Förder-
aufrufs Innovationsoffensive Öffentliche Mobilität, den das Ministerium zur Stär-
kung des ÖPNV im Sommer 2020 veröffentlicht hatte. Das Land unterstützt die An-
tragssteller bei dem Aufbau von digitalen Innovationen im ÖPNV für die Dauer von
18 Monaten mit bis zu 75 Prozent.

Neben der Förderung von Digitalen Innovationen im ÖPNV konnten im Rahmen
der Innovationsoffensive auch Mobilitätszentralen sowie Gesamtkonzepte aus Bus-
linien und On-Demand Verkehren eine Förderung erhalten

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