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Leben lernen mit neuen Gefahren

Wenn in diesen Wochen Wolkengebirge aufziehen, schaut man anders gen Himmel als früher. Die Erinnerungen an den Hagel sind frisch. Diejenigen, die an der Steinlach oder anderen Neckar-Zuflüssen wohnen, sehen ihre meist freundlich murmelnden Bäche mit anderen Augen. Jetzt gerade sind wir ziemlich sensibel. Das wird wieder nachlassen. Aber wie lange wird die Ruhe diesmal halten?

Eins ist klar: Unwetter werden häufiger und bedrohlicher. Auch bei uns in der Region. 2008 war ein Hochwasser im Killertal, das Menschenleben gekostet hat. 2013 hat Hagel hier enorme Schäden hinterlassen. 2013 musste nach tagelangem Regen eine Siedlung in Öschingen evakuiert werden, weil ein Hang ins Rutschen geriet. In Tübingen war erst kürzlich das Impfzentrum überflutet.

Wir sehen immer wieder: Wenn es extrem regnet, wenn das Wetter auch nicht weiterzieht, sondern hängen bleibt, kann das heftige Folgen haben. Kleine Flüsse werden blitzschnell zu reißenden Strömen. Flüsse entstehen, wo es vorher keine gab. Wasser sucht sich Wege.

Diesmal war es in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen besonders verheerend. Aber machen wir uns nichts vor: Wenn es bei uns so stark geregnet hätte, wären auch hier die Folgen dramatisch gewesen. Solche Katastrophen können überall passieren.

Ja, ich kenne den Konter: Extreme Wetterereignisse hat es früher schon gegeben. Aber sie waren seltener. Experten sind sich einig, dass wir bereits den Klimawandel spüren und sich das noch verschärfen wird. Hinzu kommt: Unser modernes Leben hat vieles zugespitzt, nicht zuletzt baulich und durch unsere Eingriffe in Landschaften.

Jetzt werden viele Debatten geführt. Um Klimaschutz, aktuell nun um Versicherungspflicht für Gebäude, um Hochwasserschutz, Strukturen im Katastrophenschutz und bei Rettungsdiensten. Und darum, wie man die Bevölkerung im Katastrophenfall erreichen und informieren kann.

Öffentlich diskutiert wird derzeit auch, wer wann welche Fehler gemacht hat, wegen denen Menschen gestorben sind. Die Aufarbeitung ist bitter, aber wichtig. Am allerwichtigsten ist, dass wir daraus lernen und wirklich reagieren. Der Landtag muss sich sehr schnell mit dem Zivilschutz bei uns im Land auseinandersetzen und Lehren aus der Katastrophe ziehen. Und wir uns alle darum kümmern, dass die Erkenntnisse auch umgesetzt werden. Auf die lange Bank gehört keines dieser Themen. Das nächste Unwetter kommt.

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