Brände wie noch nie
„Und, wohin fahrt ihr in den Urlaub? Brennt es da auch?“ Mehr oder weniger beklommen hört man das häufig diese Tage.
Ich habe als Kind erlebt, was „Waldbrand“ bedeutet. Wir waren in Spanien und haben meine spanische Oma besucht. Plötzlich brannte es am anderen Ende jenes Höhenzugs, wo meine Familie wohnt. Es hieß: „Ihr werdet heute Nacht vielleicht evakuiert, je nachdem, wie der Wind dreht. Bereitet euch vor.“ Ich war acht oder neun Jahre alt, so alt wie meine Kinder jetzt. Damals haben wir gepackt. Wir Urlauber nur Klamotten zum Übernachten. Was meine Oma eingepackt hat? Weiß ich nicht mehr. Was packt man in so einem Moment? Die Männer aus dem Dorf sind losgezogen, um brennbares Material zu entfernen, dem Feuer Nahrung zu entziehen. Die Sonne ging unter, alles glühte rot. Der Wind drehte anders, wir konnten bleiben.
Die Stelle dort am Hang war jahrelang zu sehen. Erst als schwarzes Nichts, alles war verschwunden, Bäume, Büsche, Böschung. Langsam kam die Vegetation zurück. Spätere Brände waren dramatischer. Zwei Frauen aus dem Dorf starben in ihrem Auto auf der Flucht. Mit meinen Kindern habe ich letztes Jahr Löschflugzeuge beobachtet.
Waldbrände töten: Menschen, Nutztiere, Haustiere, Wildtiere. Waldbrände zerstören: Wälder, Felder, Häuser, Erinnerungen und alles, was dein Leben ausgemacht hat. Außer Grundmauern bleibt meist nichts. Ich weiß, wie furchtbar das ist für die, die es erleben. Und immer mehr Menschen werden es erleben. Plötzlich steht man vor dem Nichts.
Mir macht große Sorgen, dass Jahr für Jahr größere Flächen betroffen sind. Und dass Rettungskräfte immer öfter sagen: Das ist außer Kontrolle, wir können das nicht aufhalten. Unsere bisherigen Lösungen greifen nicht mehr. Zur enormen Trockenheit sind starke Winde gekommen. Was das bedeutet? Der Enkel meiner Patentante war für ein Camp angemeldet. Am anderen Flussufer war Feuer. Man hat die Kinder trotzdem anreisen lassen – denn nie zuvor hatte ein Brand einen solchen Fluss übersprungen. Diesmal aber doch. Die Kinder wurden erst in ein anderes Camp gebracht, dann musste man sie abholen, alles wurde evakuiert.
Die Gefahr steigt weiter, auch bei uns. Ich fühle mich ohnmächtig. Auch, weil diese Eskalation so wenig auslöst bei den Menschen – dass die Leute nicht mal jetzt mehr Klimaschutz verlangen! Klimaschutz müsste spätestens jetzt eine Bürgerbewegung werden. Eine Bewegung gegen träge Regierungen.