Wärmewände und Mobilitätswende bei den Stadtwerken Tübingen
Die Stadtwerke Tübingen sind oft weit vorn, wenn es darum geht, Innovationen und Klimaschutz umzusetzen. Unsere Sommertour startete dieses Jahr dort.
Wie kommt die Elektrifizierung der Tübinger Stadtbus-Flotte voran? Gut, erfuhren wir. Inzwischen ist klar, welche Bus-Modelle in Tübingen trotz der steilen Strecken gut funktionieren. Und auch, mit welchen Modellen man im Alltag die wenigsten Probleme hat. 2025 war ein gutes Viertel der gefahrenen Kilometer im Stadtverkehr elektrisch. 2028 sollen schon 80 Prozent der Fahrleistung elektrisch sein. Immer mehr Busse haben Elektro-Antrieb (ein paar Konventionelle braucht es weiterhin, als Backup). Derzeit wird das Netz der Ladepunkte verdichtet, bald können Busse tagsüber auch zwischenladen (ähnlich wie Elektro-Autos beim Schnellladen). Das funktioniert übers Dach der Fahrzeuge mit so genannten Pantografen (siehe Fotos). Erste Ladestationen dafür werden an verschiedenen Stellen von Tübingen gebaut. Nachts werden die Busse weiterhin noch über Kabel geladen. Wir haben auch erfahren, wie schwierig es ist, solche Umstellungen zu finanzieren, trotz Förderungen von Land und Bund.

Auch die Wärmewende ist technisch besser machbar als finanziell. Darum ging es beim zweiten Teil des Besuchs. Fachleute der Stadtwerke haben Planungen ausgearbeitet, wie die Tübinger Wärmeversorgung in wenigen Jahren schon sehr viel klimafreundlicher sein kann. Dabei soll eine große Wärmepumpe in der Tübinger Kläranlage eine Hauptrolle spielen, sie soll 2030 fertig werden. Aktuell bauen die Stadtwerke mit viel Aufwand und Kosten das Leitungsnetz für die Fernwärme aus, quasi die Autobahnen des Wärmenetzes. Sobald diese fertig sind, geht es weiter in die Fläche, ab dann sollen mehr Haushalte angeschlossen werden. Die Nachfrage ist hoch. Was die Kosten angeht, wird der spätere Betrieb weniger das Problem sein, sagte swt-Geschäftsführer Ortwin Wiebecke. Wie die Stadtwerke aber die hohen Kosten für den Ausbau des Netzes und den Bau der Erzeugungs-Anlagen stemmen sollen, ist noch unklar. Ein Thema, das wir auch in Stuttgart mit diskutieren müssen.

Vielen Dank an die Stadtwerke und die Fachleute, die sich für uns Zeit genommen und Infos vorbereitet haben: Neben Geschäftsführer Wiebecke waren das Hanno Brühl, der Bereichsleiter Energie und Innovation, Arthur Sauter als Abteilungsleiter Wärmeversorgung sowie Hans Zeutschel, Geschäftsführer beim TüBus.
Bei den Tübinger Stadtwerken wird viel Pionierarbeit gemacht – Respekt! Hier gibt es Leuchtturmprojekte, die Themen voranzubringen helfen. Es hilft mir sehr, solche Einblicke zu bekommen in die Punkte, die für die Praktiker schwierig sind. Und auch klare Ansagen, woran es hapert und wo die Politik ansetzen muss.
Fotos: Team Lede Abal