Kärcher Clean Park Eco in Dettenhausen
Die vierte Station der Sommertour:
ein Besuch bei Unternehmern, die das Thema Nachhaltigkeit richtig ernst nehmen. Wir waren in Dettenhausen beim Team von „Tütle“, das als zweites Standbein den umweltfreundlichsten SB-Waschpark der Welt betreibt. (Was man Stand heute auch noch so schreiben darf – aber dazu später.) Offiziell heißt der (noch) „Kärcher Clean Park Eco“.
Erst mal, sehr beeindruckend: ein Rundgang zu den technischen Anlagen des Waschparks. Das Wasser zum Autoputzen ist ausschließlich Regenwasser. Erwärmt durch Sonne und Wärmepumpen. Betrieben mit Strom vom eigenen Dach.Die Reinigungsmittel sind zu 100% biologisch.

Im Winter muss man die Bodenplatte leicht beheizen, um Glatteis und gefrierende Nässe zu verhindern – und auch diese Wärme wird regenerativ selbst erzeugt. Die Anlage verursacht 0% Abwasser – weil sie das komplette Wasser auffängt, mit biologischer Klärung aufbereitet und erneut verwendet.
Das auf den eigenen Dächern aufgefangene Regenwasser reicht für die Anlage aus. Beziehungsweise reichte, seitdem die Anlage vor etwa sechs Jahren in Betrieb ging. Im Normalbetrieb musste bislang noch nie Trinkwasser zugeführt werden. Das könnte sich demnächst ändern, leider. Denn auch dort wird die Trockenheit sehr spürbar.
Der geschlossene Wasser-Kreislauf hat mir sehr imponiert. Das Thema Wasserknappheit wird uns früher oder später beschäftigen. Dann werden wir solche Systeme viel häufiger brauchen.

Es war insgesamt eine spannende Besichtigung. Die beiden Geschäftsführer Daniel Birkhofer und Steffen Krötz haben uns unterwegs erklärt, welche Pionierarbeit nötig war: Niemand vor ihnen hatte die bestehenden Technologien (Solarthermie, Photovoltaik, Hybrid-Wärmepumpe, Wärmespeicher) jemals so verwendet und verwoben. Viel Tüftelei hat das möglich gemacht, was nun in Dettenhausen seit Jahren bestens funktioniert. Und was die Firma Kärcher als Pilotprojekt ihren Kunden aus aller Welt zeigt.

Pionierarbeit machte der Sechs-Personen-Betrieb auch fürs andere Standbein „Tütle“: eine Einkaufstüte aus Papier, die zugleich ein durchdachter Kompost-Müllbeutel ist. Das verrät sie den Nutzerinnen und Nutzern durch einen seitlichen Aufdruck. Ein doppelter Boden verhindert das Durchweichen von Biomüll. Produziert wird das „Tütle“ besonders ressourcenschonend und klimafreundlich. Fußballvereine und Apotheken, Biohöfe und Einzelhändler, auch das Land Baden-Württemberg lassen ihre eigenen „Tütle“ bedrucken.
Aktuell sind die beiden Geschäftsführer ziemlich genervt: Eine neue EU-Richtlinie zwingt sie dazu, alle Texte und Werbeschilder zu verändern, beim Waschpark und auch beim „Tütle“. Das Wort „Eco“ soll weg, auf dem „Tütle“ darf künftig weder „nachhaltig“ noch „klimafreundlich“ stehen – es sei denn, man untermauert diese Aussage direkt ausführlich. Aber wer will lange Texte lesen, fragen die beiden Unternehmer, und da haben sie total Recht.
Die EU hat „Greenwashing“ den Kampf angesagt. Sie erwischt hier mir ihrer neuen Richtlinie nun einen Mittelständler mitsamt allen Kunden, die tatsächlich vorbildlich „öko“ sein wollen, nun aber nicht mehr in knackigen Formulierungen dafür werben dürfen. „Tütle“-Team und auch die Kunden konsultieren derzeit ihre Rechtsanwälte, juristisch ist Vieles noch unklar. Sie ändern Tüten-Texte und erneuern Druckvorlagen. Wochenlange Arbeit, viele tausend Euro Verlust – und das trifft ausgerechnet diejenigen, die an der Öko-Front eigentlich Vorbilder sind.
Ich verstehe den Frust und nehme einige Themen und Fragen mit nach Stuttgart. Leider ist längst nicht alles auf Landesebene steuerbar oder aufzufangen. Aber manches vielleicht schon. Grundsätzlich finde ich es immer wichtig, solche Hinweise aus der Praxis mitzunehmen: Auch wir in Stuttgart treffen ja viele Entscheidungen, die in der Praxis funktionieren sollen.

Danke an Daniel Birkhofer und Steffen Krötz für ihr Engagement, für die wirklich sehr vorbildlichen Produkte, für all ihren Idealismus und Perfektionismus für die gute Sache – und heute für die Zeit und Offenheit!
Fotos: Team Lede Abal