Beim veganen Metzger in Mössingen

Sommertour Tag 2, 31.7.2012.

Bericht: Nele Schönau (Mitarbeiterin MdL-Büro Tübingen)

Im Volksmund heißt sie oft Vegi-Metzger: Gemeint ist die Firma “Topas” in Mössingen, die wir gemeinsam mit Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter aus Schwäbisch-Hall, besucht haben.

Der erste Eindruck ist sympathisch. Grüne Stühle im kleinen Konferenzraum der Firma – sie ähneln den Stühlen im Stuttgarter Fraktionssitzungssaal sehr. Die Prospekte sind in Grün gehalten und sogar der Fußboden ist grün. Das ist, so Geschäftsführer Klaus Gaiser, einfach die passendste Farbe. 

Herr Gaiser erzählte von den Anfängen der Firma, als er inspiriert von seinen Aufenthalten in China und Japan die erste Tofurei Deutschlands war. “Tofu-Haus Belsen” hat er sich damals 1980 genannt. Nach turbulenten Zeiten als kleines alternatives Unternehmen und der Übernahme durch eine andere Firma löste sich die Tofurei auf. Klaus Gaiser beschloss nochmal von vorne anzufangen. Allerdings dieses Mal mit der zweiten, in Asien kennengelernten Spezialität, dem Seitan (vereinfacht gesagt: Tofu aus Weizen). So wurde 1993 die Topas GmbH gegründet.

Eigentlich sollten Tofu, Pasta und Seitan (“To-Pa-S”) hergestellt werden, daher der Name. Letztendlich fokussierte sich die Firma aber auf den Seitan, da der Markt in den beiden anderen Bereichen schon relativ stark gesättigt war. Auch Gaisers Anspruch ändert sich mit der neuen Firma. Nicht mehr die asiatische Küche in Deutschland verbreiten sondern fleischalternative Produkte schaffen, die hier Anerkennung und einen Verbraucherkreis finden. Deshalb, so erklärte Klaus Gaiser weiter, sehen viele seiner Produkte aus wie bekannte Fleischwaren. Die sind bekannt, schrecken nicht ab und erleichtern dem Käufer die Entscheidung für das Produkt, weil er eine Vorstellung davon hat, wie er es zubereiten kann.

Mit diesem Konzept ist die Firma “Topas” zwar noch immer ein mittelständischer Betrieb, als die Nr. 3 im deutschen Fleischersatzmarkt aber auch ein Global Player. Die “Wheaty”-Produkte (Wheaty ist der Markenname der Seitanprodukte) haben mittlerweile Etiketten in 14 Sprachen und gehen nach ganz Europa. Gleichzeitig bezieht die Firma auch ihre Rohstoffe ausschließlich aus Europa, wenn möglich aus Deutschland. Bei den Sojabohnen für die Tofu-Produkte wird ausschließlich in Österreich eingekauft – um ganz sicher vor genetisch veränderten Bohnen zu sein. Hier liegt auch ein Problem der Firma. Seitan wird aus Weizeneiweiß hergestellt und als Biobetrieb ist die Firma “Topas” natürlich auf Bio-Weizen angewiesen. Der ist in Deutschland aber immer schwerer zu bekommen, denn für viele Bauern ist der Maisanbau für Biogasanlagen wesentlich rentabler.

Daher gehen die Rohstoffpreise immer weiter nach oben und auch Topas muss mittlerweile aus dem europäischen Ausland zukaufen. Dazu kommt noch, dass der Weizen aus Deutschland mit der teuerste ist, schon aus Osteuropa ist er billiger und aus China kostet er gar weniger als die Hälfte. Dennoch, Klaus Gaiser setzt auf Regionalität und möchte mit deutschen Bio-Bauern zusammenarbeiten.

Auch das Thema Fleischkonsums und seiner Auswirkungen auf das Klima kamen zur sprache. Und hier zeigt sich die Bedeutung der Produkte der Firma “Topas”: Nahezu 50 % der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto der Fleischerzeugung. Ein Kilogramm Rindfleisch belastet das Klima so viel wie 250 Kilometer Autofahren. Zudem werden dafür noch 16 Kilogramm Getreide benötigt und 20.000 Liter Trinkwasser. 50 % der Getreide- und 90% der weltweiten Sojaernte sind Tierfutter und stehen damit in direkter Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion für Menschen.

Nach diesen wirklich beeindruckenden Zahlen dürften wir in der Versuchs- und Lehrküche die zu 100 % veganen und biologischen Produkte kosten. Liebevoll waren für uns fünf verschiedene Gerichte angerichtet und eines schmeckt besser als das andere. Mein persönlicher Favorit ware der Wheaty-Braten, Daniel mochte das Mediterrane Gyros sehr während Harald seither für das Frikassee mit Hoisin-Sauce schwärmt.

UPDATE: Einen Beitrag von Wheaty zum Abgeordnetenbesuch ist hier zu finden.

Ein Kommentar zu “Beim veganen Metzger in Mössingen”

|
  1. [...] Der Bericht der Grünen: Beim veganen Metzger in Mössingen [...]

|

Konzeption, Grafik, Layout, Webdesign: GENTHNER/LEHR - BÜRO FÜR GESTALTUNG