Heimat ist…
Stefan Mappus kann man getrost zu der Art Landsmann zählen, die als Konservativer aus dem ländlichen Raum in die Stadt ziehen, um den arroganten Städtern ganz kräftig einzuschenken. Seine Abneigung gegen die Großstadt und den dort verabreichten “Edelfraß” ist schon so oft zitiert und ausgelutscht, daß man sich gar nicht mehr fragt, wie Herr Mappus sich eigentlich ernährt, bei den ganzen Empfängen und Treffen in der Staatskanzlei, im Haus der Wirtschaft…
…wo die Welt noch in Ordnung ist
Daß vielleicht in Stefan Mappus heimischem Pforzheim noch heute alle kuschen, wenn der Oberbürgermeister, Kreisvorsitzende, Abgeordnete oder eben der Ministerpräsident etwas anordnen, erklärt vielleicht sein Demokratieverständnis aus Adenauers Zeiten – entschuldigen muß man sich für die Ablehnung dieses 50er-Jahre-Abziehbildes nicht. Wenn ein Telefonanruf oder Interview ausreichen, ganze Ortsverbände wieder auf Linie zu bringen, muß man ebenso konstatieren, daß man Zivilcourage in der Landes-CDU offenbar ebenso wenig lernen kann wie eine demokratische Streitkultur (oder siehe auch hier). Moderne Demokratie und aufgeklärte BürgerInnengesellschaft sehen anders aus und die baden-württembergische Gesellschaft hat sich bis in die Reihen der CDU einige Lichtjahre weiterentwickelt, wie die Proteste gegen Stuttgart 21 zeigen.
Der Mappus-Plan…
Mappus Vorgänger im Amte haben für sich allesamt eine Inszenierung gefunden, die – ganz unabhängig vom Wahrheitsgehalt – für sie persönlich, die CDU und vor allem bei Wahlen funktionierte: Lothar Späth war das Cleverle, Erwin Teufel der bauernschlaue Dorfschultes für das ganze Land und Günther H. Oettinger der Wirtschaftsexperte und Modernisierer. Stefan Mappus war bislang immer nur die Rache Teufels an Oettinger bzw. der Machtanspruch der ländlichen Konservativen gegenüber den städtischen Liberalen. Denn die Machtbasis der städtischen CDU in Stuttgart, Freiburg, Mannheim, Tübingen, Reutlingen und anderen Städten schwindet, bei OB-Wahlen schon längere Zeit und seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr auch deutlich.
…es gibt keinen
Beim überraschenden Wechsel an die Landesspitze hatte Mappus keinen Plan für sich und bislang hat er auch noch keinen entwickelt. Sein Kokettieren mit der Kochnachfolge als rechte Führungsfigur ist bislang seltsam vage, sprunghaft und medial, aber keine eigene Marke, sondern – auch in der Frage der Atomenergie – nur baden-württembergischer CDU-Mainstream. Bundespolitischer Einfluß ist bei Stephan Mappus kaum vorhanden, von der deftig gepflegten Parteifreundschaft mit Bundesumweltminister Röttgen einmal abgesehen. Außer dem unpopulären Ausstieg aus dem Atomausstieg und der heftig umstrittenen Bahnhofsversenkung Stuttgart 21 hat Stefan Mappus keine landespolitischen Projekte anzubieten, sondern regiert wie der Sachwalter einer Erbengemeinschaft. Und das bei desaströsen Umfragen für die Bundesebene und nur wenig besseren Werten für die Landes-CDU.
Die PR-Abteilung ist schuld
Es ist nicht überraschend, daß Schuldige für den Niedergang der Union gefunden werden mußten: Ganz im Trend der Zeit wurde die PR-Abteilung enthauptet, weil die Botschaft, die gleiche bleiben soll, aber unbedingt besser vermarktet werden muß: Schulbildung, Hochschulen, Stuttgart 21, Innere Sicherheit, Energie – alles so gut wie eh und je. Ob die Bevölkerung bereit ist, sich das bis März nächsten Jahres einbleuen zu lassen?
Nero in der Staatskanzlei
Stefan Mappus hat ein As aus dem Ärmel gezogen um den zunhemend hoffnungslosen Trend noch umzukehren. Den nach Roland Kochs Abgang dort nicht mehr gebrauchten Kommunikationsberater Dirk Metz, der die schrille und unversöhnliche Situation auf landespolitischer Ebene in Hessen wesentlich geprägt hat. Mit der Verpflichtung dieses Konfliktstrategen hat auch Stefan Mappus das Leitmotiv für die nächsten Monate vorgezeichnet: “Wir können alles außer friedlich”. Die seit einigen Tagen von bestimmter Seite betriebene, gezielte Diffamierung der Stuttgart 21-GegnerInnen ist kaum ein Zufall. Wer plötzlich die linksradikalen Anführer des Protestes sein sollen, derweil die Anführer seit Jahren persönlich öffentlich und gewaltfrei und in vielfältiger Weise dokumentiert die Aktionen und Publikationen lenken, ist das Geheimnis der Rechs, Strobls (und hier), Hundts, Mappus´, Hauks…
Der brutale Polizeieinsatz in Stuttgart am heutigen Tage war der Auftakt zu Stefan Mappus Inszenierung als Nero in der Staatskanzlei: Mit schönem Blick auf die Stadt in Aufruhr.
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