Eine kleine Erinnerung an Stuttgarts Bahnhof und Bahnen

Eine kleine Erinnerung an Stuttgarts Bahnhof und Bahnen

Haltestellen – ein Zuhause

Geboren wurde ich 1976 im Stuttgarter Westen in der heute nicht mehr existenten Frauenklinik, ganz in der Nähe der S-Bahn-Haltestelle Feuersee. Gewohnt habe ich damals einige Straßen weiter im Gebäude Augustenstraße 119a, ganz in der Nähe der Haltestelle Schwabstraße.

Und da meine Eltern mit mir immer weiter stadtauswärts entlang der Linie S6 (Leonberg/Weil der Stadt), erst nach Korntal und später nach Ditzingen zogen, war der Hauptbahnhof nicht nur ein Bahnhof, sondern immer auch das Tor zur Stadt.

Tor zur Welt – Tor zur Stadt

Der Stuttgarter Hauptbahnhof war für mich als kleines Kind ein Startpunkt für Reisen: nach Tübingen zu meiner deutschen Verwandschaft, nach Spanien zu meiner spanischen Familie, nach München…

Später dann begannen hier Studienfahrten nach Italien oder nach Köln.

Insbesondere die Studienfahrt nach Köln ist mir in Verbindung mit dem Hauptbahnhof in Erinnerung geblieben: In Stuttgart war das große S-Bahnchaos ausgebrochen; als wir am Abend ahnungslos aus Köln zurück kamen, fuhren keinerlei S-Bahnen, sondern behelfsweise alte DB-Züge, die teilweise im Schrittempo fahren mußten – die Strecke Hauptbahnhof-Ditzingen dauerte nahezu drei Stunden. Für OberstufenschülerInnen wurde das immerhin durch den Umstand kompensiert, daß in den Zügen immerhin Raucherabteile zur Verfügung standen.

Qualm im Bahnhof

Unvergessene und unangenehme Kindheitserinnerung ist auch der ewig zigarettenverqualmte Untergrund des Bahnhofes gewesen. Damals war das Rauchen in allen Bereichen, also DB, große Bahnhofshalle, Arnulf-Klett-Passage, Straßenbahn/Stadtbahn und S-Bahn gestattet. Wer mit S-Bahn und Straßenbahn fuhr, zog sich am Hauptbahnhof eine dauerhafte Parfümierung zu.

Dagegen waren „wir“ zum Zeitpunkt der großen Lichterkette gegen Ausländerfeindlichkeit und gegen die rechtsextremen Brandanschläge der frühen 90er Jahre alle selbst schon RaucherInnen. Als in den im Tokioter Stil völlig überfüllten S-Bahnen rigendjemand anfing zu rauchen, rauchten bald alle.

Stuttgarter Hauptbahnhof – immer ein sicheres Gefühl

Nicht erst seit Beginn der Abrissarbeiten zeichnet sich der Stuttgarter Hauptbahnhof durch eine bemerkenswerte Polizeipräsenz aus. Von der EM 1988 sind mir viele singende und freundliche Iren in Erinnerung. An Spieltagen der Fußballbundesliga gab es am Hauptbahnhof nie etwas zu fürchten, aber wer abends nach einem Konzert schnell zur letzten S-Bahn mußte, konnte sicher sein, daß eine Personenkontrolle für noch mehr Sicherheit garantieren würde.

Zur Fußball-WM 2006 war ich nicht am Stuttgarter Hauptbahnhof, aber viel größer als das Polizeiaufgebot irgendwann um 1995, als in Stuttgart angeblich Chaostage stattfinden sollten, kann es nicht gewesen sein.

1978

In diesem Jahr fuhren die ersten S-Bahnen von der Haltestelle Schwabstraße nach Plochingen, Ludwigsburg und Weil der Stadt. Da die Tunnelröhren in den Zeiten vor Flowtex nur in offener Bauweise gebaut werden können, war Stuttgart jahrelang eine riesige Baustelle

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