BeeGood – vom naturnahen Bienenleben

Sommertour Tag 3, Mittwoch 1.8.2012.

Bericht: Nele Schönau (Mitarbeiterin MdL-Büro Tübingen)

Das Anwesen der Fischermühle bei Rosenfeld im Zollernalbkreis – hier waren wir letzten Mittwoch zu Gast bei Mellifera e.V. einer Lehr- und Versuchsimkerei, die den Demeterprinzipien nahesteht, sich aber ausdrücklich an alle Imker wendet. Gegenüber der Tür hing gleich der erste Bienenkorb. Er ist nicht nur altmodisch aus Korb geflochten sondern natürlich auch bewohnt. Im Büro erwarteten uns Thomas Radetzki, der Gründer des Vereins und  Herr Miller, der Bürgermeister der Gemeinde Rosenfeld. Im Gespräch bekamen wir einen Überblick über die spannende Geschichte der Fischermühle.

Ein Heilpraktiker hat vor 30 Jahren das sanierungsbedürftige Anwesen gekauft, Freunde und Bekannte kamen dazu und dann die Firma Helixor-Heilmittel. Mittlerweile verwaltet die Helixor-Stiftung das Gelände, auf dem verschiedene Firmen, Initiativen und Vereine zuhause sind. Die Tierhaltung und der Gemüseanbau mit Laden sind seit kurzem ausgesiedelt, da es einfach zu eng wurde auf dem Gelände. Gerade ist ein zweiwöchiger Permakultur-Kurs mit 30 TeilnehmerInnen aus ganz Europa zu Gast bei Mellifera. Später besichtigen wir ihr heutiges Arbeitsprojekt. Ein verwilderter Hang soll kultivierbar gemacht werden. Begeistert berichtete Herr Radetzki von seinem neuesten Projekt. Er möchte auf dem Gelände ein „Lernfeld Lebensraum“ schaffen. Damit möchte er Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen die natürlichen Zusammenhänge begreifbar machen. Er plant eine pädagogisch ausgerichtete, nachhaltige Kleinlandwirtschaft, wo der Weg vom Samen bis zum Teller erlebt werden kann.

Bei einer Führung über das Gelände erlebten wir zunächst den Kurs in Aktion. Wir besichtigten den Honig-Schleuderraum, den Wachsraum, die Werkstatt, den Tagungsraum, die Küche, die Büros und den kleinen Laden.  Dann schnappte sich Herr Radetzki seine Imkerausrüstung und wir schlugen den Weg zu den Bienen ein.  Kurz darauf standen wir auf einer kleinen Wiese am Waldrand. Es summte um uns herum und etwa 25 „Bienenkisten“ sind dort verteilt. Herr Radetzki erzählt von den Anfängen und der Gründung des Vereins 1985. Die Varoa-Milbe hatte in Europa Einzug gehalten und einige Imker verloren alle Schwärme. Die Antwort waren chemische Mittel gegen die Milbe. Doch die gelangen als Rückstände in den Honig und so stellte sich ihm die Frage nach einem anderen, biologischen Weg. Das gab den Anstoß  zur Gründung einer Versuchs- und Lehrimkerei. Zur Milbenbekämpfung ist zwar nach wie vor der Einsatz chemischer Mittel notwendig, doch werden Bienenvölker auf andere Art fitter und damit resistenter gemacht:  Radetzkis Ansatz ist eine extensive Bienenhaltung mit natürlicher Selektion. Natürlich schaut er im Frühjahr, dass die Schwärme ausgeglichen werden und er füttert in mageren Jahren auch mal mit Zuckerwasser zu.

Aber er verzichtet auf künstliche Waben, gibt nur ein wenig Bauhilfe und auch vermehren dürfen sich die Bienen ganz nach Belieben. “Etwa ein Drittel der menschlichen Ernährung ist von Bienen abhängig”, belehrt er uns und fügt hinzu, “dass die Biene damit Volkswirtschaftlich gesehen das drittwichtigste Tier ist”. Wir sprechen auch über die Landwirtschaft und die Folgen der intensiven Bodennutzung nicht nur für die Bienen. „Wenn der Liter Cola mehr kostet als der Liter Milch, dann läuft da für mich was schief“ sagt Herr Radetzki.

Dann öffnet Herr Radetzki eine „Bienenkiste“ (ein Modell, das für Hobbyimker geeignet ist) und die Bienen warten geduldig, obwohl der Zugang zum Stock vorübergehend nicht funktioniert und inzwischen sehr viele Bienen zurück zum Stock geflogen kommen. Wir werden nicht einmal gestochen. Dann sehen wir einen eher traditionellen Bienenkasten, in dem die Waben in kleinen Rahmen hängen. Zum Schluss schauen wir noch in einen der eher altertümlichen Bienenkörbe hinein. Ein Ballon aus Lehm und Stroh, wie er früher für die Bienenhaltung verwendet wurde. „Der Schwarm ist zu klein“ fachsimpelt Herr Radetzki, „der wird den Winter nicht überstehen“. Es war bisher ein schlechter Sommer hier im Tal, berichtet er. Immer wenn es schön war, war es zu kalt da sind die Bienen nicht geflogen. “Die Honigernte dieses Jahr wird mau”, prognostiziert er, “und einige Schwärme werden es nicht ins nächste Jahr schaffen.”

Und wann stechen die Bienen? „Bremsen und Schnaken sind schlimmer“ sagt er. Seine Bienen stechen ihn nur, wenn er mit der falschen Einstellung an den Stock kommt: zu hektisch oder wütend. „Dann erkennen sie mich nicht wieder“ sagt er lächelnd. Können die Bienen ihren Besitzer denn erkennen? “Aber natürlich”, antwortet Radetzki. Warum glauben wir eigentlich, dass ein Hund in der Lage ist sein Frauchen zu erkennen aber die Bienen nicht, wo die doch einen noch besseren Geruchssinn haben. Die Bienen haben da ein hochentwickeltes System, sie erkennen und verständigen sich mit Duftstoffen und Pheromonen.

Zum Abschied gibt es dann noch ein Glas von dem dieses Jahr voraussichtlich eher knappen Fleißprodukt der Bienen.

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